Indische Christen gehen auf die Straße

Quelle: FSSPX Aktuell

Mehrere tausend Christen demonstrierten am 19. Februar 2023 friedlich in Neu-Delhi (Indien) gegen die anhaltende Verfolgung, der sie meist unter stiller Duldung der Behörden seit vielen Jahren ausgesetzt sind.

Es ist erst das fünfte Mal seit der Unabhängigkeitserklärung Indiens im Jahr 1947, dass die christliche Minderheit – es gibt weniger als zwei Prozent Katholiken im Land – in der Hauptstadt auf die Straße geht, um ihrem Ärger über die zunehmende Verfolgungswelle, der sie ausgesetzt sind, Luft zu machen. Die Demonstration fand auf dem Gelände von Jantar Mantar statt, dem berühmten astronomischen Observatorium in Neu-Delhi, das im 18. Jahrhundert unter dem Maharadscha von Jaipur erbaut wurde. 

Laut dem United Christian Forum (UCF), einer NGO, die die antichristliche Verfolgung beobachtet, wurden im Jahr 2022 in 21 Unionsstaaten 598 Vorfälle von Gewalt gegen Christen gemeldet. Eine Zahl, die laut UCF einen Anstieg um 400 Prozent im Vergleich zu 2014 bedeuten würde, als „nur“ 147 solcher Vorfälle registriert wurden. 

Die Vorfälle umfassten: Einschüchterung, Gewalt aus dem Mob heraus, brutale Übergriffe, Vandalismus an Gotteshäusern, sexuelle Gewalt, Schließung von Kirchen, soziale Ächtung, Verweigerung der Bestattung von Toten und falsche Berichte über Proselytenmacherei und Zwangsbekehrungen. 

Eine Verfolgungswelle, die scheinbar durch nichts aufzuhalten ist. Während die Christen in Neu-Delhi demonstrierten, bat eine katholische Schule in Gujarat, dem Bundesstaat, aus dem der derzeitige Regierungschef stammt, um Polizeischutz. Denn einige Tage zuvor war ein Mob von Hindus in die Schule eingedrungen, um zu fordern, dass ihre Götter in den Klassenzimmern geehrt werden. 

Im Süden des Landes hat die Erzdiözese Bangalore (Bundesstaat Karnataka), eine der größten des Landes, ebenfalls öffentlich gegen die Behörden protestiert, nachdem 8.000 Wähler aus den Wählerlisten gestrichen wurden, weil sie – so die religiösen Autoritäten – keine Hindus seien. Die ersten fünf indischen Bundesstaaten, die sich durch ihren antichristlichen Eifer auszeichnen, sind Uttar Pradesh, der bevölkerungsreichste Bundesstaat des Landes, mit 186 gemeldeten Vorfällen, Chhattisgarh (132), Jharkhand (51), Karnataka (37) und schließlich Tamil Nadu mit 33 gemeldeten Taten. 

Die Organisatoren der Demonstration vom 19. Februar wiederholen, dass ihr Ziel vor allem darin besteht, die Zivilgesellschaft für das Problem der Christenverfolgung zu sensibilisieren. Gleichzeitig sollen die Bundesregierung und der Obersten Gerichtshof dazu gezwungen werden, angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen. 

Wird Narendra Modi den Forderungen der christlichen Minderheit Gehör schenken? Eines ist sicher, der Chef der indischen Exekutive befindet sich in einem Balanceakt. Um an der Macht zu bleiben, muss er einerseits die Extremisten seiner nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) zufriedenstellen, die die Ausrottung der Christen zu einem ihrer Lieblingsthemen gemacht hat, und andererseits muss er auf der internationalen Bühne ein ehrenhaftes Image pflegen.  

Die Einladung an Papst Franziskus, im Oktober 2021 nach Indien zu reisen, ist wahrscheinlich in diesem Kontext zu sehen. Die nächsten Monate werden zeigen, auf welche Seite sich die Waage neigen wird.