Iraks gieriger Präsident: christliches Eigentum ist in Gefahr

Quelle: FSSPX Aktuell

Abdul Latif Rashid, Präsident des Irak und Ryan al-Kaldani, der „Chaldäer“

Nach der militärischen Gewalt und Verfolgung der Vergangenheit ziehen neue dunkle Wolken über der Zukunft der Christen im Irak auf. Sie betreffen direkt die höchste kirchliche Autorität des Landes, den chaldäischen Patriarchen, Kardinal Louis Raphael Sako.

Der irakische Staatspräsident hat kürzlich das, was man als „institutionelle Anerkennung“ des Amtes des chaldäischen Patriarchen bezeichnen kann, zurückgenommen, indem er ein von seinem Vorgänger am 10. Juli 2013 erlassenes Dekret aufhob, das die Ernennung des Kardinals zum Oberhaupt der chaldäischen Kirche „im Irak und in der Welt“ und in dieser Funktion „verantwortlich für das Kirchenvermögen“ erklärte. 

Eine Quelle von Asianews betont, dass sich die ganze unschöne Angelegenheit, die nun alle möglichen Parteien auf den Plan gerufen hat, um einen Punkt dreht, nämlich um die „Kontrolle über das Eigentum und die Besitztümer der Christen, der Kirche, die sich jemand aneignen will“. Präsident Abdul Latif Rashid hatte  sich dazu  in den letzten Tagen eingeschaltet, um den Fall zu „klären“. 

Die Kontroverse um die Rücknahme des Präsidialerlasses ist das letzte Kapitel in einer Reihe von Angriffen auf die angesehenste Figur der chaldäischen Kirche im Irak, so dass in den letzten Wochen die Stimmen der Christen als Antwort auf die kolportierten Unwahrheiten laut wurden. Die Christen reden von einem Angriff auf den Patriarchen und die Kirchenleitung, der vom Führer der Babylon-Bewegung, Rayan, ausgegangen ist. 

Dieser selbsternannte christliche Führer, der von Schiiten mit Verbindungen zum Iran unterstützt wird, will eine Enklave in der Ninive-Ebene bilden und nutzt dazu seine Position aus. Er hat vier Abgeordnete in der Hand [von den fünf, die der christlichen Minderheit vorbehalten sind] und ein von ihm kontrolliertes Ministerium. Die Miliz der Babylonischen Brigade entstand während des Kampfes gegen den Islamischen Staat und hat sich wirtschaftlich und politisch durchgesetzt. 

Die Bischöfe des Nordens (Mossul und Ninive-Ebene) kritisierten das System der Quotenvergabe an Minderheiten, unterstützten den Kampf des Kardinals und kündigten einen möglichen Boykott der nächsten Wahlen durch die christliche Gemeinschaft an. Im Mai hatte der chaldäische Primas angedeutet, dass er sich möglicherweise an internationale Gerichtsinstanzen wenden würde, um die Sitzverteilung im irakischen Parlament zu schützen. 

Diese Stellungnahme brachte dem Patriarchen Angriffe aus dem Umfeld der Babylon-Bewegung ein, die immer schärfer und härter wurden, so dass Hunderte von Christen auf die Straße gingen und ihre Solidarität mit Kardinal Sako bekundeten. 

In einer an Asianews gesendeten Erklärung bekräftigen die Assyrische Demokratische Bewegung, der Chaldäisch Syrische Volksrat, die Patriotische Union von Betnahrain, die Partei der Söhne von Nahrain und die Assyrische Patriotische Partei ihre Unterstützung für den Patriarchen. Eine Nähe, die „den Status einer religiösen Institution, die einen wichtigen Teil der irakischen Gesellschaft repräsentiert“, aufrecht hält. 

„Als nationale Parteien“, heißt es in der Erklärung, „lehnen wir dieses Dekret ab“, das „die Manipulation von Kircheneigentum durch einflussreiche und korrupte Parteien mit klaren Enteignungsambitionen“ ermögliche.