Kardinal Becciu – Geächtet und geachtet?

Quelle: FSSPX Aktuell

Kardinal Becciu während seiner Ernennung

Papst Franziskus hat Kardinal Angelo Maria Becciu zwei Jahre, nachdem er ihm alle seine Kardinalsprivilegien entzogen hatte, zum nächsten Konsistorium eingeladen. Der hohe Prälat wird derzeit von der vatikanischen Justiz verfolgt und genießt doch die Gunst des Papstes. Wir der Papst Beccius Loyalität deswegen irgendwann einfordern?

Das Wechselbad der zwischen Gunstbezeugung und Gunstentzug, das sich im Vatikan abspielt, muss man erst einmal aushalten und zweitens verstehen können: Beispiel gefällig?  

Am 21. August 2022 gab Kardinal Angelo Maria Becciu in seiner Heimat Sardinien während einer Messe vor einer Gruppe von Gläubigen eine Erklärung ab, die im Internet bald viral ging: „Der Papst rief mich gestern - am Samstag, den 20. August - am Telefon an, um mir mitzuteilen, dass ich bald wieder in meine kardinalen Vorrechte eingesetzt werde, und um mich zu bitten, zum nächsten Konsistorium in Rom zu reisen, weshalb ich am kommenden Sonntag nicht unter euch sein kann." 

Der Zeitung L'union sarde wurde von Beccius Anwälten bestätigt, dass der Porporato eine formelle Vorladung für das ordentliche Konsistorium am 27. August erhalten hatte, bei dem das Kardinalskollegium 21 neue Mitglieder, darunter 16 Wähler im Falle eines Konklaves, und einen sardischen Kardinal in der Person von Arrigo Miglio, dem emeritierten Erzbischof von Cagliari, begrüßen wird. Daraufhin wurde er ehemalige Stellvertreter des Staatssekretariats von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa kontaktiert und gab zu, dass er von der Geste des Papstes gerührt war: „Ich danke ihm von ganzem Herzen und bestätige, dass ich wieder in voller Gemeinschaft mit ihm stehe.“ 

Die Ankündigung überraschte viele Prälaten, was viel über die Verwirrung aussagt, die hinter den hohen Mauern des Vatikans zu herrschen scheint: Kardinal Becciu steht nämlich im Mittelpunkt eines historischen Prozesses, der von den Magistraten des vatikanischen Gerichtshofes geführt wird. Man mag sich wundern, dass der Hauptangeklagte in einer weitverzweigten Affäre, in der sich der Heilige Stuhl in den mutmaßlich betrügerischen Kauf eines Londoner Gebäudes verstrickt hat, vom Nachfolger Petri höchstpersönlich entlastet wird, obwohl das Vatikangericht sein Urteil noch nicht gefällt hat. Tatsächlich begann der rätselhafte Prozess der Rehabilitierung von Kardinal Becciu schon vor fast anderthalb Jahren, als der Pontifex den hohen Prälaten besuchte, um mit ihm die Messe am Gründonnerstag zu konzelebrieren.  

Aber, ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Wenn der ehemalige Stellvertreter des Staatssekretariats alle seine Vorrechte wiedererlangen würde, könnte er bei einem künftigen Konklave wahlberechtigt sein, da er die Altersgrenze von 80 Jahren noch nicht erreicht hat…