Lehrreiche Schweizer Barockmalereien

Die Kapelle in Cournillens - einem kleinen Ort zwischen Freiburg und Murten -, die dem heiligen Leodegar geweiht ist, war bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Wallfahrtsort. Die Pilger strömten dorthin, um die Reliquien des Heiligen zu verehren und die wundertätige Quelle zu besuchen. Das Wasser, das angeblich Augenkrankheiten heilt, fließt in einen steinernen Brunnen.

Als ein Arbeiter in den 1970er Jahren im Chor der Kapelle einen Lichtschalter installieren sollte, entdeckte er unter dem Putz an den Wänden und der Decke Spuren von Farbe. Der Kaplan von Cournillens, Abbé René Dubey (1910-1994), fragte sich, ob es vielleicht Fresken unter dem Putz gäbe. 

Diese Überlegung war letztlich der Auslöser für die Freilegung eines barocken Gemäldezyklus, der um 1680 von Johann Franz Pantly an den Chorwänden und im Gewölbe ausgeführt wurde und das Martyrium des Heiligen Leodegar (616-678) darstellt. Pfarrer Dubey, der in Freiburg, Villarepos und Sorens als Seelsorger tätig war, bevor er nach Cournillens kam, ließ die Gemälde im Chor restaurieren. 

Er setzte sich sofort mit Etienne Chatton in Verbindung, dem damaligen Denkmalpfleger des Kantons Freiburg. Dieser stellte fest: „Es war ein heikles und langwieriges Werk: den weißen Verputz entfernen, ohne die Malereien zu zerstören, Löcher schließen, Lücken füllen ... .“ 

Die Aufgabe wurde dem in Freiburg ansässigen Kunstrestaurator Jan Horky anvertraut. Dieser restaurierte von 1975 bis 1976 die Malereien im Gewölbe, die das Reich Gottes mit der Heiligen Dreifaltigkeit darstellen, und an den oberen Wänden den Lebenszyklus des heiligen Leodegar von Autun, der in acht Szenen gezeigt wird. Leodegar (616-678) lebte zur Zeit der merowingischen Könige. Er war ein weiser Gottesmann und diente als Bischof von Autun und Berater des Königs. Als er von seinem Feind Ebroin, dem Hausmeier am Hof von König Childerich, verfolgt wurde, zog er es vor, sich zu ergeben, um die Stadt Autun vor einer Belagerung zu bewahren. Weil er daraufhin nicht nur grausam verstümmelt, sondern auch geblendet wurde, wurde er in der Frömmigkeit des christlichen Volkes zum himmlischen Beschützer der Blinden. Er wird am 2. Oktober liturgisch gefeiert. 

Die Restaurierungsarbeiten am Chor und am Gewölbe der Kapelle kosteten seinerzeit über 90.000 Franken und konnten dank der Spenden aus der Region und anderen Kantonen, religiösen Kongregationen, befreundeten Priestern sowie Zuschüssen der Loterie Romande und des Denkmalschutzes durchgeführt werden. Auch Abt Dubey trug mit fast 50.000 Franken viel dazu bei. 

Die Kapelle gilt als die älteste Einsiedelei im Kanton Freiburg und wird in schriftlichen Quellen aus dem 11. Jahrhundert erwähnt. Im Jahr 1300 lebte dort eine Einsiedlerin. Mehrere Eremiten folgten ab dem Ende des 15. Die Errichtung einer Kaplanei ermöglichte 1680 die Ankunft des ersten priesterlichen Eremiten, Jean Du Prez, der die Kapelle Saint-Léger bediente. Msgr. Jean-Baptiste de Strambino, Bischof von Lausanne, weihte die Kapelle zwei Jahre später.