Niederlande: Kardinal beendet Sonntagsgottesdienste ohne Priester

Kardinal Willem Jacobus Eijk

Kardinal Willem Eijk, Erzbischof von Utrecht und Primas der Niederlande, erklärte in seinem Hirtenbrief vom 14. Februar 2023, dass er sich verpflichten werde, die Sonntagsgottesdienste ohne Priester in den nächsten fünf Jahren abzuschaffen, damit die Messe „den ihr gebührenden zentralen Platz einnehmen kann.“

Kardinal Eijk „hofft, dass auf diese Weise die Feier der Eucharistie an Sonntagen und Hochfesten in der Erzdiözese Utrecht wieder mehr ihren zentralen Platz einnehmen wird, wie die Feier des Tages des Herrn am Sonntag, an dem wir besonders daran denken, dass der Herr von den Toten auferstanden ist.“ 

In einem früheren Schreiben vom 27. Oktober 2022 hatte er angekündigt, dass ab dem „1. Januar 2028 Wort- und Kommuniongottesdienste am Sonntag [ohne Priester] nur noch in Ausnahmesituationen erlaubt sein werden“. Als Reaktion darauf hatte eine Gruppe von Gläubigen der Erzdiözese eine Petition gestartet, in der sie den Kardinal aufforderte, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen. In seinem jüngsten Schreiben antwortete der Kardinal den Unterzeichnern dieser Petition und erklärte, dass es derzeit viele Kirchen gebe, die ohne Priester geöffnet seien, sodass bei unveränderter Politik die Zahl der Wort- und Kommunionfeiern hoch bleiben werde und die Eucharistiefeier daher nicht den ihr zustehenden zentralen Platz einnehmen könne. Er stellte jedoch klar, dass die Wort- und Kommuniongottesdienste in den Pfarreien unter der Woche und in den Pflegeheimen am Sonntag fortgesetzt würden. 

Bereits 2017 hatte der heute 69-jährige Kardinal Eijk in einem Hirtenbrief seine Gläubigen informiert: „Als ich mit dem Papst sprach, warnte ich davor, dass die alten Strukturen der Kirche nicht mehr existieren würden, wenn ich in den Ruhestand gehe, und dass bis 2025 zwei Drittel unserer Kirchen aus dem Gottesdienst entfernt sein würden. Der Papst war schockiert, wiederholte aber, dass wir nach vorne schauen und nicht der Nostalgie nach einer Vergangenheit nachgeben sollten, die nie wieder auftauchen wird.“ 

Katholiken in anderen Teilen der Niederlande sehen sich ebenfalls mit der Aussicht auf Kirchenschließungen konfrontiert. Bischof Jan Hendriks kündigte im September letzten Jahres an, dass 60 Prozent der Kirchen in seiner Diözese Haarlem-Amsterdam in den nächsten fünf Jahren schließen müssen, da die Zahl der Gläubigen, der Freiwilligen und der Einnahmen sinkt. 

Kardinal Eijk, ein ehemaliger Arzt, ist in den Niederlanden für seine starke Opposition gegen die permissiven Euthanasiegesetze des Landes bekannt. Er hatte Papst Franziskus auch gebeten, die Auslegung seines apostolischen Schreibens Amoris lætitia zu „klären“, da es seiner Meinung nach „Verwirrung stiftet“.

Vor kurzem forderte er die flämischen Bischöfe auf, einen Text zurückzuziehen, der die rituelle Segnung homosexueller Paare erlaubt, und schlug vor, dass der Papst eine Enzyklika über die Gendertheorie verfasst.

Er wird wohl weder im ersten noch im zweiten Punkt Genugtuung erhalten. Einerseits akzeptierte der Papst den Text, den der Kardinal verurteilte. Andererseits gab Papst Franziskus in einem Interview, das am 10. März 2023 von den argentinischen Medien La Nacion anlässlich des 10. Jahrestages seiner Wahl ausgestrahlt wurde, zu, dass er weder an einer neuen Enzyklika noch an einem Dokument über die Gender-Ideologie arbeiten würde.