Steigende Anzahl alkoholbedingter Todesfälle im Iran

Quelle: FSSPX Aktuell

Trotz des totalen Verbots, das die Revolution von 1979 in der Islamischen Republik verhängte, blüht der Schmuggel mit Alkoholika im Iran. Das Risiko der Verunreinigung und anschließenden Vergiftung ist dadurch enorm gestiegen. In den letzten Wochen gab es Dutzende von Opfern. Reformer rufen dazu auf, das Problem nach dem „kontrollierten“ Modell der Vereinigten Arabischen Emirate anzugehen, doch die Konservativen sträuben sich.

Die iranischen Behörden stehen unter dem Druck der öffentlichen Meinung, da die Zahl der Vergiftungsfälle durch den Konsum von geschmuggeltem Alkohol steigt.  

Offiziellen Berichten zufolge gab es in der Provinz Alborz in der Nähe von Teheran zwischen dem 13. und dem 23. Juni 191 Vergiftungsfälle und 17 Todesfälle. Am 26. Juni erklärte ein Polizeibeamter, dass in der nördlichen Provinz Mazandaran drei Menschen gestorben seien.  

Weitere 34 Vergiftungsfälle wurden in der südlichen Provinz Hormozgan und 29 in der Provinz Qazvin gemeldet. 

Die Polizei reagierte mit einer Reihe von Verhaftungen, bestritt jedoch, dass es sich um Massenvergiftungen handelte, wie es bei der Vergiftungswelle von Schulmädchen vor einigen Monaten der Fall war. „Die Verbraucher sind die wahren Schuldigen“, sagte der Polizeichef Ahmad Reza Radan. Die neue Lage, über die die unabhängige Website Anwaj berichtete, hat die Debatte über das Alkoholverbot im Iran neu entfacht. Immerhin schätzte die fundamentalistische Tageszeitung Farhikhtegan im vergangenen Jahr, dass mit geschmuggeltem Alkohol ein astronomischer Umsatz in Rials erzielt wird, nämlich rund 2,24 Milliarden US-Dollar. 

Laut Abbas Masjedi Arani, dem Direktor der iranischen Organisation für Gerichtsmedizin, haben Alkoholvergiftungen im letzten iranischen Jahr, das am 20. März endete, 644 Menschen das Leben gekostet. Arani fügte hinzu, dass diese Zahl einen Anstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstelle.  

In diesem Zusammenhang sorgte vor einigen Tagen ein Tweet von Abdolreza Davari, einem ehemaligen Berater des früheren Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, für Aufsehen, in dem er die Regierung aufforderte, den Verkauf von Alkohol im Land zu legalisieren und zu beaufsichtigen. 

Davari nannte als Beispiel die Politik der Vereinigten Arabischen Emirate und zeigte sich davon überzeugt, dass dies zur Beseitigung des „Schwarzmarktes“ für Alkohol beitragen und eine Einnahmequelle für die Regierung darstellen würde. Doch dieser Ansatz wurde von den konservativen Medien, die dem derzeitigen Präsidenten Ebrahim Raisi nahestehen, sofort zurückgewiesen. 

Man darf gespannt sein, ob der rigorose Schiismus, ähnlich wie der russische Kommunismus, letztlich vor „König Alkohol“ kapituliert.