Interview mit Bischof Fellay nach dem Treffen mit Kardinal William Levada

Source: FSSPX News

Interview mit Bischof Fellay nach dem Treffen mit Kardinal William Levada

Anlässlich des Gespräches von S.E. Bischof Bernard Fellay und seinen beiden Generalassistenten mit S.Em. Kardinal William Levada, Präfekt der Glaubenskongregation, am 14. September 2011 um 10.00 Uhr hat der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. folgende Fragen beantwortet:

Wie ist das Treffen verlaufen?

Das Gespräch wurde in großer Höflichkeit und in ebenso großer Offenheit geführt, denn aus Loyalität lehnt es die Priesterbruderschaft St. Pius X. ab,  den noch offenen Problemen aus dem Weg zu gehen. In diesem Geist haben sich übrigens auch die Gespräche abgespielt, die in diesen beiden letzten Jahren stattgefunden haben.

Als ich am 15. August dieses Jahres erklärt habe, dass wir uns einig waren über die Tatsache, dass es in Bezug auf das Konzil keine Einigkeit gibt, musste ich präzisieren: Wenn es sich um Dogmen handelt, wie beispielsweise die Dreifaltigkeit, sind wir natürlich damit einverstanden, wenn man den Bezug im II. Vatikanum findet.  Ein Satz darf nicht von seinem Kontext losgelöst werden.

Unsere theologischen Gespräche hatten den großen Verdienst, dass all diese Schwierigkeiten in Glaubensfragen in seriöser Weise vertieft und erleuchtet werden konnten.

Das offizielle Kommuniqué des Vatikan und der Bruderschaft kündigt an, dass Ihnen ein lehrmäßiges Dokument übergeben und dass eine kanonische Lösung angeboten wurde. Können Sie hierzu eine Präzisierung machen?

Das Dokument trägt den Titel: „Préambule doctrinal“ – „ Präambel in Glaubensfragen“. Es wurde uns zum vertiefenden Studium übergeben. Von daher ist es vertraulich, und Sie werden verstehen, dass ich Ihnen hierzu nicht mehr sagen kann. Der Titel „Präambel“ zeigt jedoch an, dass die Annahme desselben die Vorbedingung für die kanonische Anerkennung der Priesterbruderschaft St. Pius X. durch den Heiligen Stuhl darstellt.

Bezüglich dieser Präambel, können Sie uns – sofern es nicht die Vertraulichkeit berührt – Folgendes bestätigen: Es beinhaltet, wie in der Presse angekündigt, eine Unterscheidung zwischen dem, was man glauben muss, – was die Bruderschaft voll und ganz akzeptiert –, und dem, was zu einem Pastoralkonzil gehört, wie das II. Vatikanum es selber sein wollte. Letzteres könnte einer Kritik unterworfen werden, ohne dabei den Glauben in Frage zu stellen?

Diese neue Unterscheidung ist nicht nur von der Presse angekündigt worden, ich habe sie persönlich schon aus unterschiedlichen Quellen gehört. Schon 2005 hat mir Kardinal Castrillon Hoyos erklärt, nachdem ich ihm während fünf Stunden die Einwände der Bruderschaft gegen das Konzil erläutert habe: „Ich kann nicht sagen, dass ich mit allem einverstanden bin, was Sie gesagt haben. Aber das, was Sie gesagt haben, bewirkt nicht, dass Sie außerhalb der Kirche stehen. Schreiben Sie also dem Papst, dass er die Exkommunikation aufhebt.“

Heute bin ich es der Objektivität schuldig festzustellen, dass man im der „Präambel in Glaubensfragen“ keine deutliche Unterscheidung findet zwischen dem Bereich des dogmatisch Unantastbaren und dem Bereich des Pastoralen, das der Diskussion unterworfen ist.  Das Einzige, was ich bestätigen kann – weil es bereits in den Presseerklärungen erwähnt wurde – ist, dass diese Präambel „einige Prinzipien in Glaubensfragen und Kriterien für die Interpretation der katholischen Lehre beinhaltet, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche und zum sentire cum Ecclesia zu garantieren. Sie lässt dabei jedoch berechtigte Diskussionen, Studien und theologische Erklärungen mancher Ausdrücke oder bestimmter Formulierungen offen, die gegenwärtig in den Texten des II. Vatikanums und dem nachfolgenden Lehramt bestehen.“

Sehen Sie, nicht mehr und nicht weniger.

Was den kanonischen Status betrifft, welcher der Bruderschaft angeboten werden würde unter der Bedinung der Annahme der Präambel in Glaubensfragen: Man hat hier eher von einer Prälatur gesprochen als von einem Ordinariat. Ist das richtig?

Wie Sie richtig in Erinnerung rufen, ist dieser kirchenrechtliche Status bedingungsweise: Seine genauen Umstände muss man zu einem späteren Zeitpunkt sehen. Sie bleiben Objekt der Diskussion.

Wann glauben Sie, dass Sie Ihre Antwort auf die Präambel geben werden?

Sobald ich die notwendige Zeit genommen habe, um das Dokument zu studieren und die Hauptverantwortlichen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu konsultieren. Bei einer so wichtigen Sache bin ich meinen Mitbrüdern gegenüber verpflichtet, keine Entscheidung zu treffen, ohne sie im Vorfeld zu befragen.

Aber ich kann Sie versichern, dass wir unsere Entscheidung treffen werden für das Wohl der Kirche und der Seelen. Unser Rosenkranz-Gebetssturm, der noch einige Monate andauert, muss noch nachdrücklicher werden, um durch die Fürsprache von Maria, der Mutter der Kirche, die Gnaden der Erleuchtung und der Stärke zu erhalten, deren wir mehr den je bedürfen.

Quelle: DICI.org

Interview with Bishop Bernard Fellay after his meeting with Cardinal William Levada
Entretien avec Mgr Bernard Fellay après sa rencontre avec le cardinal William Levada
Entrevista con Mons. Bernard Fellay luego de su encuentro con el Cardenal William Levada
Entrevista com Dom Bernard Fellay depois do seu encontro com o Cardeal William Levada
Intervista con Mons. Bernard Fellay dopo l’incontro col Card. William Levada
Wywiad z J.E. bp. Bernardem Fellayem